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Der Niedergang der deutschen Automobilindustrie: Ein Appell für Realismus und Pragmatismus

Der Niedergang der deutschen Automobilindustrie: Ein Appell für Realismus und Pragmatismus

Von Yannick Sebastian Beier – Als Unternehmer in der Automobilzulieferindustrie und Mitglied des Landesvorstands der WerteUnion Baden-Württemberg beobachte ich mit größter Sorge die Entwicklung einer einst stolzen Schlüsselbranche unseres Landes. Seit über 20 Jahren begleite ich den Weg unseres Familienunternehmens, das in zweiter Generation High-Performance-Werkzeugkabel für die Montagetechnik der großen Hersteller produziert. In dieser Zeit habe ich sowohl die Glanzzeiten der deutschen Automobilindustrie als auch ihren aktuellen Niedergang miterlebt – ausgelöst durch politische Fehlentscheidungen und systematische Überregulierung.

Dabei zeigt sich besonders in zwei zentralen Bereichen, wie fehlgeleitete Prioritäten und ideologischer Tunnelblick unseren Wirtschaftsstandort schwächen: der einseitige Fokus auf Elektromobilität als universelle Lösung und die überzogene Fixierung auf erneuerbare Energien.

Elektromobilität: Eine Nischenlösung, keine globale Antwort

Die Elektromobilität wird in Deutschland und Europa als Allheilmittel propagiert, dabei ist sie vor allem eine Nischenlösung für urbane Gegenden mit dichter Infrastruktur. Betrachtet man jedoch die globalen Märkte, wird schnell klar, dass diese Technologie kaum die Massenmobilität der Weltbevölkerung abdecken kann. Die größten Bevölkerungsgruppen und Wachstumsregionen liegen in Asien und Afrika – Kontinente, die durch weitläufige Flächen, mangelhafte Infrastruktur und wirtschaftliche Herausforderungen geprägt sind.

Die Voraussetzungen, um dort eine flächendeckende Elektromobilität zu etablieren, fehlen schlichtweg. Batteriebasierte Antriebe sind weder nachhaltig noch bezahlbar genug, um sie für breite Bevölkerungsschichten attraktiv zu machen. Gleichzeitig fehlen Rohstoffe wie Lithium und Kobalt in ausreichender Menge, was die Abhängigkeit von wenigen Förderländern erhöht. Anstatt auf einen einzigen Antriebstyp zu setzen, braucht es technologieoffene Lösungen. Diese Ansätze bieten die Flexibilität, die weltweit notwendig ist. Als bestes Beispiel sei hier der Hersteller Toyota genannt, welcher als weltweiter Marktführer, insbesondere in den Massenmärkten, konsequent auf Verbrennungsmotoren und Hybrid-Technik und somit nachweislich auf Erfolg setzt.

Der Niedergang der Automobilindustrie ist hauptsächlich die Folge politischen Versagens

Erneuerbare Energien: Eine verzerrte Prioritätensetzung

Auch bei den erneuerbaren Energien ist die deutsche Politik von einem Tunnelblick geprägt. Deutschland trägt nur etwa 2 % zum globalen CO₂-Ausstoß bei. Selbst wenn wir auf allen Ebenen klimaneutral würden, hätte dies – wenn überhaupt- kaum einen messbaren Effekt auf das Weltklima. Gleichzeitig setzen aufstrebende Wirtschaftsnationen wie China und Indien auf eine ganz andere Strategie: Technologieoffenheit. Sie kombinieren den Ausbau erneuerbarer Energien mit massiven Investitionen in Kohlekraftwerke, Kernkraft und andere Energiequellen, um ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und auszubauen.

Diese Länder zeigen, dass Klimapolitik und wirtschaftliche Entwicklung kein Widerspruch sein müssen – wenn die Balance stimmt. Deutschland hingegen schwächt sich durch überzogene Vorgaben selbst. Hohe Energiepreise und eine unsichere Versorgungslage treiben Unternehmen ins Ausland und bedrohen unseren Wohlstand.

Alarmierende Folgen

Die Konsequenzen dieser Entwicklungen sind bereits sichtbar: Insolvenzen und Betriebsverlagerungen nehmen zu, die großen Player der Branche wie Volkswagen, Daimler und Audi kämpfen mit Krisen, und mittelständische Zulieferbetriebe stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Dies sind nicht nur unternehmerische Probleme – es sind Herausforderungen für unseren gesamten Wirtschaftsstandort, unsere Arbeitsplätze und unsere Zukunft.

Ein Plädoyer für Realismus und Pragmatismus

Deutschland steht an einem Scheideweg. Wir können es uns nicht leisten, weiterhin eine ideologisch getriebene Politik zu verfolgen, die die globalen Realitäten ignoriert. Stattdessen müssen wir:

  1. Technologieoffenheit fördern: Verbrennungsmotoren, synthetische Kraftstoffe, Wasserstoff und Elektromobilität können nebeneinander existieren. Technologische Vielfalt ist der Schlüssel zu globaler Mobilität.
  2. Energieversorgung sichern: Deutschland braucht eine zuverlässige, bezahlbare Energieversorgung. Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke dürfen nicht aus ideologischen Gründen vorschnell abgeschaltet werden.
  3. Wettbewerbsfähigkeit erhalten: Niedrigere Energie- und Produktionskosten sind unerlässlich, um den Standort Deutschland attraktiv zu halten.
  4. Global denken: Eine nationale Strategie muss sich an globalen Märkten orientieren, nicht an ideologischen Wunschvorstellungen.

Die deutsche Automobilindustrie ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine kulturelle Säule unseres Landes. Die Zukunft gehört nicht den radikalen Umbrüchen, sondern den klugen Anpassungen. Nur wenn wir unsere Politik an den realen Bedürfnissen der Welt ausrichten, können wir wirtschaftlich stark bleiben und zugleich einen Beitrag zum globalen Umweltschutz leisten.

Yannick Sebastian Beier

Herr Beier ist Unternehmer und Mitglied des Landesvorstands der WerteUnion Baden-Württemberg. Als solcher liegt ihm der Zustand aller Unternehmen in Deutschland – besonders aber der Automobilindustrie – besonders am Herzen. In seiner Freizeit treibt er viel Sport und verbringt Zeit mit der Familie. Im Rahmen seiner Vorstandsarbeit zeichnet er sich für den medialen Auftritt der Partei in Baden-Württemberg verantwortlich.

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